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Die Saison begann gut. Der Austrieb kam früh, wir blieben von Frühjahrsfrösten verschont und Mai und Juni waren heiß und trocken. Die Reben blühten zwei bis drei Wochen früher als normal und alles sah nach einem weiteren großen Jahrgang aus.
Allerdings brachte der Juli eine Rekordkälte und war der nasseste seit 20 Jahren. Das Wachstum der Reben und die Entwicklung der Trauben kamen fast zum Stillstand, nur die Krankheiten gediehen. Der August war schön, aber nicht heiß genug, um die Entwicklung der Infektionen zu stoppen, weshalb wir bis zum 20. August spritzen mussten. Der September war warm und nass und als die Trauben zu reifen begannen, trat fast unmittelbar Botrytis auf.
Im Oktober rechneten wir mit einer reichlichen Ernte von durchschnittlicher Qualität. Wir begannen mit der Lese am 16. Oktober. Schnell wurden die weniger guten Lagen gelesen, die für unseren „Scharzhof“-Qualitätswein bestimmt waren. Hier waren die Erträge mit durchschnittlich 55 hl/ha noch recht gut. Als wir am 23. mit der Lese von Wiltinger braune Kupp und Scharzhofberg begannen, hatte sich das Reifeniveau erhöht, aber die Menge hatte sich dramatisch verringert. Etwa die Hälfte war Kabinett, ein Drittel Spätlese und der Rest Auslese. Aber wir ernteten in der braunen Kupp nur 29 hl/ha und im Scharzhofberg sogar nur 22 hl/ha.
Kaum hofften wir wieder auf einen guten Jahrgang schlug das Wetter wieder um und es wurde kälter und regnerisch.
Besonders der September war erheblich zu kalt. Es kam zu Botrytis Infektionen, die sich aber wegen der Kälte kaum ausbreiteten. Im Oktober wurde es wieder sehr warm und die Botrytis konnte sich schnell entwickeln. Etwa ab dem 10. Oktober kam zudem ein kräftiger Ostwind auf, der die faulen Trauben schnell eintrocknen ließ. Wir waren bis dahin von einer späten Lese ausgegangen aber angesichts einer Edelfäule wie aus dem Bilderbuch beschlossen wir nicht länger zu warten und begannen am 14. Oktober mit der Auslese der edelfaulen Trauben.
2001 könnte als ein Jahr der extremen Kontraste in die Geschichte eingehen. Der Winter war mild und nass. Alles deutete auf einen frühen Austrieb hin. Der April brachte jedoch winterliche Verhältnisse, mit strengem Frost am Karfreitag, dem alle Obstbaumblüten zum Opfer fielen. An den Osterfeiertagen gab es beachtliche Mengen an Schnee. Die Weinberge waren glücklicherweise davon nicht beeinträchtigt.
Mai und Juni waren schön und warm, so dass sich die Reben die verlorene Zeit schnell aufholten. Die Blüte kam rechtzeitig, wenn nicht sogar etwas zu früh, und endete schnell und normal. Auch Juli und August waren schön und warm mit gut verteiltem Regen. Ende August waren die Reben in einem fantastischen Zustand. Der September war dann aber für die Jahreszeit zu kalt und sehr regnerisch. Nur die Kälte verhinderte eine rasche Verbreitung der Graufäule. Ende September glich das Szenario dem Vorjahr und wir bereiteten uns auf eine weiteren 2000er Jahrgang mit all seinen Problemen vor.
Der Oktober war jedoch genau umgekehrt. Unter blauem Himmel entwickelte sich die aufkommende Botrytis zur Edelfäule. Wir begannen die Lese am 15. Oktober und planten von vornherein, diese Trauben separat zu lesen. Drei Wochen lang blieb das Wetter außergewöhnlich schön. Anfang November konnten wir Trockenbeerenauslese im Scharzhofberg ernten.
Wir waren mit der Lese fast fertig, als am 10. November sintflutartiger Regen einsetzte. Am 13. November beendeten wir die Lese. Der durchschnittliche Ertrag lag wiederum bei maximal 30 hl/ha. Die Qualität war jedoch sehr gut, die Weine haben gute Konzentration und eine stabilenmineralische Grundlage.
Aufgrund der langen Erntezeit gab es große Unterschiede zwischen den Trauben der frühen Lese und den Trauben, die spät gelesen wurden. Während am Anfang das Säureniveau so hoch war, dass wir uns fragten, ob wir nicht noch ein bisschen warten sollten, sank es gegen Ende der Lese so sehr, dass wir froh waren, die früh gelesenen Trauben zur Herstellung von ausgewogenen Weinen zu haben. Der 2001er ist wohl nicht ganz so gut wie die großen Jahre 1997 oder 1999. Dem 1995er ist er aber ebenbürtig und sogar charakterlich ähnlich.
Das Jahr 2002 begann sehr kalt, aber schon die zweite Januarhälfte war warm und regnerisch, und damit war der Winter auch schon vorbei. Der April war zwar recht kühl und sonnig, aber Frühjahrsfröste blieben uns erspart. Der Austrieb kam etws früher als im Durchschnitt. Der Mai war wechselhaft und im Ganzen eher gut, und der Juni brachte uns große Hitze und eine frühe und gleichmäßige Blüte. Ende Juni hatten die Weinberge einen Vorprung von etwa 2 – 3 Wochen gegenüber dem langjährigen Mittel.
Juli und August waren nicht wirklich sommerlich, es war zwar warm und auch sehr unbeständig, aber wir wurden von den katastrophalen Wetterlagen verschont. Obwohl aufgrund der feucht-warmen Witterung ständig hoher Infektionsdruck pilzlicher Schädlinge herrschte, entwickelten sich auch die Weinberge prächtig. Alle Parzellen mussten je nach Lage und Erziehungsform 5 oder 6 mal gespritzt werden, und noch Ende August haben wir in den alten Parzellen gepflügt, um das Unkraut niedrig zu halten.
Anfang September zeigte es sich dann aber, daß die Niederschläge des Sommers keineswegs exzessiv gewesen waren: Als der Regen aufhörte trocknete auch der Boden sehr schnell ab, und Ende September sank der Wasserspiegel in unserem Weiher, ein Zeichen großer Trockenheit. Zu dieser Zeit hatten die Trauben einen enormen Reifevorsprung, und wir konnten uns Hoffnung auf einen weiteren großen Jahrgang machen.
Im Oktober wendete sich das Glück, und es begann zu regnen. Ab etwa Mitte Oktober begann sich auf den Trauben, die bis dahin vollkommen gesund geblieben waren, Botrytis zu bilden. Wir fingen am 21. mit der Ernte an, indem wir nach einem trockenen und schönen Wochenende in allen auf Amerikanerreben gepfropften Parzellen die faulen Trauben lasen. Die ersten Fuder waren überrschend gut, zumal es sich ja nicht um unsere besten Weinberge handelte. Im Laufe der Woche nahm die Qualität aber mit mehr und mehr Regen leicht ab. Am Wochenende richtete ein Orkan großen Schaden an, nicht - wie befürchtet - an der Qualität sondern indem er die faulen Trauben von den Stöcken schüttelte. Ich nehme an, daß wir während dieser 2 Tage etwa 10 – 15% unserer Ernte verloren haben.
Während der folgenden Woche war es etwas trockener, und die Qualität der Ernte nahm bis zum Freitag wieder ein wenig zu. Obwohl der 1. November ein hoher Feiertag ist, und normalerweise die Lese ruht, haben wir die Trauben unserer besten Parzellen eingebracht. In der Nacht zum Samstag fielen 40 mm Regen, die, anders als der Sturm der Vorwochen die Trauben aufgeweicht haben. Es fehlte der Wind, der die Trauben wieder trocken bließ. Da keine Besserung in Aussicht war, haben wir den Rest der Ernte dann sehr schnell eingebracht. Am 7. November war Leseschluß.
Am 11. Dezember konnten wir bei –10° C einem beachtlichen Eiswein ernten
Insgesamt ist die Qualität des Jahrgangs sehr hoch. Die Trauben waren nicht nur was Zuckergehalt und Mostgewicht angeht sondern besonders geschmacklich ausgesprochen reif. Dabei sind die Säurewerte vergleichsweise niedrig. Der Durchschnittsertrag von 38 hl/ha lässt extraktreiche Weine erwarten. Aufgrund des Witterungsverlaufs gibt es aber nur geringe Unterschiede zwischen unseren Spitzenparzellen und den einfacheren Weinbergen, und vor allem gibt es kaum große Gewächse, während selbst bescheidene Lagen Große Gewächse hervorbrachten. So liegt denn auch das durchschnittliche Mostgewicht erheblich höher als im letzten Jahr, und dennoch haben wir nur ein kleines Fäßchen Scharzhofberger Auslese Goldkapsel ernten können.
Ich habe mir alte Aufzeichnungen meines Vaters angesehen und einige verblüffende Parallelen zu Jahrgang 1964 gefunden - es bleibt nur zu hoffen, daß die Weine sich ähnlich entwickeln.
Bis auf eine sehr regenreiche Periode um den Jahreswechsel war der Winter 2002 – 2003 eher trocken und mild. Die Vegetation begann sehr früh und ein Frosteinbruch in der ersten Aprildekade verursachte schon Schaden in den Parzellen am Fuß des Scharzhofbergs.
Danach war es warm und trocken und die Weinberge wuchsen so schnell, daß es schwierig war, mit dem Wachstum Schritt zu halten. Im Mai und Juni mussten wir Arbeiten erledigen, die normalerweise in 3 Monaten anfallen. Die Blüte kam früh und Ende Juni hatten wir gegenüber dem langjährigen Mittel einen Entwicklungsvorsprung von etwa 3 Wochen.
Es blieb trocken und im Juli verlangsamte sich das Wachstum mit beginnendem Wassermangel. Ende Juli gingen die ersten Beeren „in den Wein“, etwa einen Monat früher als sonst und vergleichbar nur mit Jahren wie 1947, 1959 und 1976. In der ersten August Dekade stiegen die Temperaturen etwa eine Woche lang auf 40°C und die Kombination von Wassermangel und extremer Hitze führte in exponierten Lagen mit flachgründigen, steinigen Böden zu Sonnenbrand. Die Schäden lagen in unseren Parzellen zwischen 10% und 30%. Teilweise verbrannten nur die der Sonne zugewandten Beeren, teilweise aber auch ganze Trauben. Glücklicherweise gingen die Temperaturen nach dem 10. August auf normale Werte zurück und die Reife machte schnelle Fortschritte. Im September maßen wir höhere Mostgewichte als in allen vorangegangenen Jahren. Am 22. September brachte ein Gewitter mit etwa 30 mm den ersten signifikanten Niederschlag des Sommers und von da an stiegen die Mostgewichte nur noch langsam.
Mit dem Regen kam jedoch Botrytis und unsere Ernte begann am 29. September mit einer Trockenbeeren-auslese – dem frühesten Erntebeginn und dem höchsten je auf dem Scharzhof erreichten Mostgewicht. Während der ersten Oktoberwoche war das Wetter unbeständig mit Schauern aber nach dem 13. Oktober brachte ein kräftiger Ostwind Sonne und Kälte. Am 16. konnten wir wieder Trockenbeerenauslese ernten. Kälte und Trockenheit verhinderten die Ausbreitung der Edelfäule aber die befallenen Beeren trockneten weiter ein und die Mostgewichte stiegen.
Anfangs waren wir wegen der frühen Lese besorgt, aber die Säurewerte waren niedriger als sonst und nach dem 20. Oktober waren die Anzeichen von Überreife deutlich. Als der Wetterbericht für das Wochenende des 26. Oktober Frost meldete, beschleunigten wir die Lese aus Furcht vor weiteren Säureverlusten durch Weinsteinbildung. Am 27. Oktober brachten wir die letzten Trauben nach Hause – der früheste Leseschluß den ich erlebt habe.
Die Erträge waren sehr gering. Nirgends haben wir mehr als 40 hl/ha geerntet und manche Parzellen brachten nur 20 hl/ha, der Durchschnitt lag bei etwas weniger als 30 hl/ha. Die hohe Reife beweist wieder einmal, dass es Unsinn ist die Weine nach dem Mostgewicht zu klassifizieren. Wie immer werden wir Kabinett aus den reifen Trauben, Spätlese aus überreifen und Auslese nur aus botrytisbefallenen, ausgelesenen Trauben machen. Nach dem Zustand der Trauben und nach ersten Proben urteilend, gehen wir davon aus, dass etwa 10% Auslese und 1/3 Spätlese werden. „Scharzhof“ Riesling werden wir nur aus den Trauben aus Saarburg und Wawern produzieren und so wird es davon nur sehr wenig geben.
Die Aufzeichnungen meines Vaters zeigen viele Parallelen zum 1959er. In beiden Jahren waren die Trauben hochreif, bei niedrigen Säurewerten und mit wenig Edelfäule. Trotzdem konnten wir aber jeweils außerge-wöhnliche Trockenbeerenauslesen ernten. Erste Proben zeigen große Fülle und Schmelz aber auch eine feine Säure und eine ätherische Note die der Eigenart der 1959er ähnelt und die ich aus anderen Jahrgängen nicht kenne (was möglicherweise meiner mangelnden Erfahrung geschuldet ist). Wir glauben, nach 1999 wieder einen großen Jahrgang im Keller zu haben aber der Beweis wird sich in den Flaschen finden.
Der Winter 2003/2004 war mild und naß. Besonders im Januar fiel mehr als die durchschnittliche Regenmenge und die Flüsse führten Hochwasser. Dennoch gab es nicht genügend Niederschläge um die Folgen der Trockenheit aus dem Vorjahr auszugleichen und selbst starker Regen konnte nicht bis in die tieferen Bodenschichten eindringen.
Das Frühjahr war warm und die Reben entwickelten sich gut und schon Anfang Juni sah man erste Blüten. Dann allerdings wurde es kalt und die Rebblüte zog sich bis zum Ende des Monats hin. Auch der Juli war kühl und häufige Schauer verursachten hohen Infektionsdruck durch Echten und Falschen Mehltau, sowie Schwarzfäule, einer Pilzkrankheit, die in unseren Breiten zuvor nicht bekannt war. Unsere Weinberge blieben verschont, aber die feuchte Witterung zwang uns, je nach Lage, Alter der Reben und Unterlage, 5 – 6 mal zu spritzen
Im August wurde es wärmer und der September war sehr warm, gleichzeitig blieb es regnerich. Die Weinberge entwickelten sich prächtig, aber auch das Unkraut und wir waren gezwungen, bis zum Beginn der Traubenlese die alten Parzellen von Hand zu jäten um zu verhindern, daß die reifenden Trauben im nassen Kraut hingen.
Im Oktober waren die Wetterbedingungen ideal und die Mostgewichte nahmen rasch zu. Dennoch began die Lese erst am 25., da die Säurewerte aufgrund der späten Reife sehr hoch geblieben waren. Während der ersten Lesewoche waren sowohl Mostgewichte als auch Säurewerte sehr hoch und es gab wenig Edelfäule. Diese allerdings war von guter Qualität und wir konnten eine kleine Menge Trockenbeerenauslese ernten. Die erste Novemberwoche war regnerisch und ungewöhnlich mild. Während die Regenmenge nicht ausreichte, die Trauben nachhaltig zu verwässern, führte sie zu idealen Infektionsbedingungen für Botrytis.
Dann wurde es wieder trockener und die Qualität der Trauben verbesserte sich. Die Säurewerte waren jetzt niedriger und mit großer Sorgfalt war es auch wieder möglich, kleine Mengen edelfauler Beeren auszulesen, deren Qualität aber nicht and die der früh gelesenen heranreichte. Wir beendeten die Traubenlese am 16. November.
Der Dezember war recht kalt und am 22. konnten wir eine kleine Menge eines sehr konzentrierten Eisweins ernten. Durch die niedrigen Temperaturen kam es zu sehr langsamen und zögerlichen Gärungen. Kaum ein Faß gor bis zum Ende.
Wir glauben, daß 2004 ein sehr guter, möglicherweise großer Jahrgang ist. Die durchschnittlichen Mostgewichte sind sehr hoch, und selbst in weniger guten Parzellen waren die Trauben reif. Durch die langsame Reife, späte Lese und langsame Gärung sind die Weine hocharomatisch und aufgrund ihrer guten Säurestruktur klassische Saarweine wie aus dem Bilderbuch. Es fällt schwer einen vergleichbaren Jahrgang zu finden aber wenn man Lesezeitpunkt, Botrytisgehalt einerseits und Säurestruktur und Mostgewichte andererseits betrachtet, könnte man eine gewisse Ähnlichkeit mit dem 1975er feststellen.
Der Sommer 2005 ist nicht gerade als ein Jahrhundertsommer in Erinnerung geblieben aber tatsächlich war er viel besser als er gefühlt wurde. Der Winter 2004/2005 war regen- und schneearm und erst Ende Februar wurde es kalt. Der Austrieb kam recht spät und auch die Blüte begann spät verlief aber unter idealen Bedingungen sehr schnell. Auch infolge des fehlenden Winterregens wurde es im Juli sehr trocken, doch bei den ersten Anzeichen von Stress fiel jeweils ein kräftiger Regenguß, sodaß sich die Reben gleichmäßig weiter entwickelten. Allein der August war kälter als der Durchschnitt und es fielen ständig Regenschauer und so war es eine kleine Überraschung, daß die Trauben mit 2 Wochen Vorsprung gegenüber dem langjährigen Mittel „in den Wein gingen“.
Der September holte erst einmal den Sommer nach. Die Temperaturen erreichten 30° und vereinzelt kam es zu Sonnenbrand an den Trauben in Parzellen in denen die Blätter entfernt worden waren. Dabei stiegen die Mostgewichte rasant. Um den 10. September fielen 30 mm Regen und an den Folgetagen war es warm und feucht, sodaß ideale Bedingungen für Botrytis Infektionen herrschten. In der Folgezeit war deutlich zu erkennen, welche Parzellen mit Spezialbotrytiziden behandelt worden waren. Da wir grundsätzlich auf die Anwendung dieser Mittel verzichten, hatte sich der Pilz gegen Ende des Monats schon soweit verbreitet, dass die Selektion von Beerenauslesen möglich gewesen wäre. Anfang Oktober kam es dann erneut zu kräftigen Regenfällen, die in unseren Weinbergen recht erhebliche Schäden verursachten und uns die Gefährlichkeit des Botrytispilzes drastisch vor Augen führten. Trauben, deren Stielgerüst infiziert war, fielen herunter und, hätte diese Witterung auch nur für kurze Zeit angedauert, hätte sie den Jahrgang ähnlich wie den 2000er ruinieren können.
Es kam aber anders. Zwischen dem 3. und dem 20. Oktober fiel kein Tropfen Regen, es war sonnig und warm und die Mostgewichte nahmen Tag für Tag zu. Wir begannen am 4. Oktober mit der Lese, obwohl die Säurewerte noch sehr hoch waren und eigentlich mit dem Ziel, aus geringeren Lagen die faulen Trauben zu entfernen. Sehr schnell waren wir uns aber über deren außerordentliche Qualität und über die extrem niedrige Erntemenge im Klaren. Wir verschärften also unsere Selektion und bald erreichten wir Werte, die sogar die 2003er übertrafen. Da immer noch kein Ende des herrlichen Wetters abzusehen war intensivierten wir unsere Bemühungen noch einmal und es gelang uns die Ernte einer kleinen Menge Trockenbeerenauslese von einer Konzentration, die wir eigentlich an der Saar nicht für möglich gehalten haben.
Zwischen dem 21. und dem 23. Oktober kam es wiederholt zu Regenschauern, die Auslese der extremen Qualitäten war nun nicht mehr möglich und in Anbetracht der kleinen Erntemenge beeilten wir uns, fertig zu werden. Am 26 Oktober beendeten wir die Lese in unserer Eisweinparzelle, da bei der hohen Qualität der Trauben und der winzigen Menge der mögliche Erfolg einer Eisweinlese in keinem Verhältnis zum Risiko stand (und es sollte dann auch bis zum 15. Januar dauern bis es genügend kalt wurde.)
Was am 2005er außergewöhnlich ist, ist nicht allein das Niveau der Mostgewichte, das weit über dem aller anderen Jahre liegt. Der durchschnittliche Ertrag von nur 15 hl/ha, in Verbindung mit den vergleichsweise stressfreien Wachstumsbedingungen im Sommer schenken den Weinen Mineralität und Extrakt. Aber im Gegensatz zu anderen großen Jahren hat der kühle August die Säuren bewahrt und die Edelfäule hat sie weiter konzentriert, sodaß auch hohe und höchste Zuckergrade immer von genügend Säure balanciert werden. Es gibt einige Parallelen zum Jahrgang 1976 aber in Anbetracht der Bedeutung, die der Jahrgang 2005 möglicherweise für die Definition des großen Saarweines haben wird, halte ich eher einen Vergleich mit 1971 für angebracht.
Das Jahr 2006 war trotz des frostigen Winters in der Gesamtbilanz um mehr als ein Grad wärmer als der langjährige Durchschnitt. Besonders die Anzahl der Sonnenstunden lag weit über den statistischen Durchschnittswerten. Dabei war es insgesamt eher zu trocken.
Januar, Februar und März waren deutlich zu kalt. Das Frühjahr war warm und trotz einer trockenen Periode Anfang Mai, regnerisch. Der Austrieb der Reben kam etwas zu spät, verlief aber gut und das Wachstum ging dann zügig voran.
Der Juni war sehr sonnig, trocken und warm. Die Blüte begann zwar noch mit leichter Verspätung, aber die Reben verblühten dan rasch und gleichmässig. Der Juli 2006 ging in Deutschland als der bislang wärmste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichungen in die Statistik ein. Die mittlere Temperatur des Monats reichte von 19,9 Grad auf Helgoland bis 25,1 Grad in Karlsruhe und lag damit um fünf Grad über dem langjährigen Mittel. Am Scharzhof kam es jedoch nicht zu Extremen und die Weinberge konnten sich gut entwickeln.
Bevor es zu Trockenstress kommen konnte, brachte der August Regen und kühlere Temperaturen.
Der September war dann wieder erheblich wärmer, sonniger und trockener als der Durchschnitt. Ein weiterer Großer Jahrgang schien sich anzukündigen und am Ende des Monats lagen die Mostgewichte kaum unter denen des Vorjahrs. Am 30. September brachte ein Unwetter weiten Teilen der Saar Starkregen und Hagelschlag. Der Scharzhofberg, der nur ganz selten von Hagel getroffen wird, war erheblich geschädigt. Zu Glück waren die Trauben zu diesem Zeitpunkt schon so reif, daß es nicht mehr zu geschmacklichen Beeinträchtigungen kam, durch die Beschädingung der Beerenhäute und durch die dann einsetzende feucht-warme Witterung kam es aber zu Botrytisinfektionen, die sich rasend schnell ausbreiteten. Das war der Moment in dem fast Jeder an 2000 dachte. Anders als damals wurde es aber bald trocken.
Wir begannen am 9. Oktober mit der Lese und stellten sehr bald fest, dass in dem Maße wie die Botrytis eintrocknete und zur Edelfäule wurde, die Mostgewichte zwar schnell stiegen, die Erntemenge aber noch schneller abnahm.
Der Herbst 2006 war der wärmste Herbst seit Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen 1901. Nicht nur die Temperaturmittelwerte sondern auch die Anzahl der Sonnenstunden lagen deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Die Niederschlagsbilanz fiel leicht negativ aus. Die positive Temperaturabweichung lag meist bei 3 bis 4 Grad. Ein Ausbleiben von nennenswerten Schneefällen im Dezember sowie eine ungewöhnlich stabile Hochdruckwetterlage zur Weihnachtszeit mit einem Luftdruck von 1040 bis 1044 Hektopascal prägten den letzten Monat des Jahres.
Es gab keinen Winter 2006/7. Dezember, Januar und Februar waren sehr mild und feucht. Im März war es kühl und feucht, der April war sommerlich, es regnete nicht und die Durchschnittstemperatur lag etwa 5° über dem Durchschnitt. Infolgedessen kam der Austrieb ausgesprochen früh und die jungen Triebe wuchsen sehr schnell.
Es gab keinen Frühjahrsfrost und auch die Blüte kam sehr früh und verlief gut. Die wärmeren Lagen waren Ende Mai verblüht und hatten damit einen Vegetationsvorsprung von etwa einem Monat gegenüber dem langjährigen Durchschnitt.
Schon der Mai war eher feucht gewesen und im Juni, Juli und August fiel überdurchschnittlich viel Regen. Im Scharzhofberg wurden Anfang Juni die Triebe durch Hagel geschädigt, in der Kupp am 20. Juni Trauben und Triebe erheblich. Dabei entstanden auch ideale Infektionsbedingungen für pilzliche Schädlinge. Im Weingut Egon Müller ist Zurückhaltung beim Pflanzenschutz quasi Ideologie und so kam es hier und da zu Schäden durch Peronospora aber im Großen und Ganzen blieben die Trauben trotz der enormen Niederschläge bis zur Lese erstaunlich gesund
Der enorme Vegetationsvorsprung verlor sich nur langsam, da es insgesamt warm blieb. Im September wurde es endlich trockener und angesichts erfreulicher Mengenaussichten begannen wir schon am 1. Oktober mit der Traubenlese, da selbst in kleineren Lagen die Trauben reif waren. Während der ersten Lesewoche konnten wir noch etwa 50 hl/ha ernten, da es aber nicht regnete, gingen die Mengen langsam zurück und die Mostgewichte stiegen, während die Säurewerte konstant blieben. Etwa ab dem 10. Oktober gab es etwas Edelfäule und da die Wetterlage weiter stabil blieb, konnten wir diese Trauben mit größter Sorgfalt und ohne Zeitdruck auslesen. Dadurch zog sich die Lese in die Länge und erst am 29. Oktober konnten wir die Ernte beenden. In der Nacht zum 30. Oktober fielen dann 20 mm Regen!
Im Durchschnitt liegt unser Ertrag bei 35 hl/ha und damit weit unter dem Gebietsdurchschnitt. Wir sind aber der Überzeugung, dass gerade in diesem Jahr, wo die Qualität im April und Oktober entstand und wo der Sommer eher schwierige Wachstumsbedingungen bot, kleinere Mengen durch bessere Qualität mehr als ausgeglichen werden. So kommen bei der Suche nach einem vergleichbaren Jahrgang eigentlich nur die Allergrößten in Frage. Da der Anteil der edelfaulen Trauben eher klein und die Säurewerte trotz hoher Reife hoch blieben, denken wir an 1997 oder 1971.
Der Winter war wieder sehr mild und der Austrieb kam früh und gleichmäßig. Ein wunderschöner Mai brachte uns einen beachtlichen Vegetationsvorsprung, aber der Sommer machte seinem Namen keine Ehre. Im Großen und Ganzen war es warm, aber besonders im Juni und Juli regnete es sehr viel, sodaß pilzliche Schädlinge ständig eine Bedrohung bildeten. Es kam auch zu heftigen Gewittern mit Hagel, der glücklicherweise wenig Schaden anrichtete aber stellenweise gab es größere Erosionsschäden. Entsprechend war der Sommer sehr arbeitsreich, die Weinberge wuchsen im warmen, feuchten Wetter prächtig, aber das Wachstum musste gezügelt und gelenkt werden, es war ausgesprochen wichtig, die richtigen Termine für den Pflanzenschutz zu finden und auch die Bodenbearbeitung gestaltete sich aufgrund der immer neuen Niederschläge schwierig. Ende August standen die Weinberge dennoch sehr gut und wir freuten uns schon auf einen weiteren sehr guten Jahrgang.
Der September war kalt und naß und jeder Vegetationsvorsprung, den wir im Sommer vielleicht hatten ging verloren. Die Mostgewichte stiegen kaum und wegen der kalten Nächte gingen die Säurewerte nicht zurück.
Dennoch fingen wir am 13. Oktober mit der Lese an, wohl wissend, daß es eigentlich noch zu früh war, daß wir aber in fast allen vorangegangenen Jahren zu früh angefangen hatten und zu spät fertig geworden waren. Anfangs waren die Säurewerte entsprechend hoch, aber die Mostgewichte waren etwas besser als erwartet.. Spätestens in der 2. Lesewoche konnten wir bei schönem Wetter Trauben mit idealem Zucker/Säureverhältnis ernten und bei sorgfältiger Auslese auch kleine Mengen edelfauler Trauben. Ende Oktober fiel etwas Regen. Danach waren die Säuren niedrig, und wir konnten die Lese schnell beenden. Die letzten Trauben wurden am 7. November geerntet.
Leider fehlen uns 2008 die Spitzenweine. Spät- und Auslesen konnten wir nur in kleinen Mengen ernten, die Kabinettweine aber haben wieder von der langen Reifezeit profitiert. Sie sind sehr aromatisch mit feiner lebendiger Säure und klassischer Statur. Wir glauben, daß Vergleiche mit 2001 oder 2004 angebracht sind.
Der Winter 2008/2009 war lang und kalt. Nachdem es bis Weihnachten recht mild geblieben war, fielen die Temperaturen: Am 7. Januar zeigte das Thermometer -16°C. Auch der Februar blieb eher winterlich und selbst im März kamen keine Frühlingsgefühle auf. Der April war dann fast sommerlich und die Vegetation explodierte. Der Austrieb kam etwa 2 Wochen früher als im langjährigen Mittel. Auch der Mai blieb schön und schon gegen Ende des Monats begannen die Reben zu blühen. Anfang Juni wurde es etwas kühler, sodaß sich die Blüte recht lange hinzog und erst am 20 Juni beendet war, zur gleichen Zeit wie 2008. Bis dahin war es sehr trocken gewesen. Schon im Winter war wenig Regen gefallen und Anfang Juni betrug das Niederschlagsdefizit schon etwa 75 mm. Im Juni und im Juli regnete es allerdings sehr viel, und so kam es nicht zu Trockenheit aber stattdessen zu sehr hohem Infektionsdruck durch pilzliche Schädlinge, vor allem Peronospora. Vom 1. Bis zum 9. Juli gab es keinen Tag ohne Niederschlag und trotz genauer Beobachtung der Weinberge war es unumgänglich, die Spritzabstände zu verkürzen. Im August entspannte sich die Situation merklich und nach dem 15. August regnete es nicht mehr. Auch im September gab es kaum nennenswerten Niederschlag und die Trauben konnten unter idealen Bedingungen reifen: wo es im Sommer nicht zu Infektionen gekommen war, war der Gesundheitszustand makellos.
Die Traubenlese begann am 12. Oktober. Durch die lange Blüte hatten die Trauben durchaus unterschiedliche Reife. Die Mostgewichte waren trotzdem hoch und die Säurewerte atemberaubend. Wir ernteten im Rosenberg Trauben für den „Scharzhof“.
Am 15. Oktober fiel die Temperatur morgens auf -5°C und danach blieb es eine Woche lang sehr kalt und trocken. Wir konnten ohne jeden Zeitdruck arbeiten und ernteten edelfaule Trauben in zwar kleinen Mengen aber von höchster Qualität. Durch den Frost waren die Säuren etwas gefallen und die Aromen in den Trauben aufgeschlossen worden und weil der Botrytisanteil insgesamt sehr klein war, waren die neben den Auslesen und Trockenbeerenauslesen eingebrachten Trauben vollständig gesund. Etwa ab dem 24. Oktober nahm der Anteil fauler Trauben dann zu. Neben den Auslesen wurde nun der Großteil unserer Spätlesen gelesen.
Am 2. November begann es zu regnen. Ab dem 4. November etwa mussten wir beträchtliche Mengenverluste beklagen, da die Traubenstiele schon durch den Frost geschädigt waren. Nach einigen regenbedingten Unterbrechungen war am 7. November Leseschluß.
Wenn wir nach einem vergleichbaren Jahrgang suchen, fällt der Blick zuerst auf 2007: Die lange Vegetationsperiode, der ausgeglichene Sommer ohne übermäßige Hitze und der schöne Herbst brachten jeweils reife Trauben mit nur wenig Botrytis hervor. Möglicherweise werden die Weine dank Ihrer etwas prägnanteren Säure noch brillianter als die 2007er. Auch mengenmäßig sind die beiden Jahre vergleichbar, wobei die Ernte aber in 2009 wegen einer Neupflanzung und der Verluste gegen Ende der Lese etwas kleiner ist. Wir glauben, daß wir wieder einen großen Jahrgang im Keller haben, der sich neben den Klassikern wie 1971, 1990 und 2007 einreihen wird.
Der Winter 2009/2010 war lang und kalt. Zwar gab es nicht die Tiefsttemperaturen des Vorjahres, aber besonders der Januar war erheblich kälter als der Durchschnitt und bis zum März blieb es winterlich. Im April kam der Frühling mit Macht und die Weinberge entwickelten sich schnell, aber schon der Mai war wieder kalt und naß und auch im Juni blieb das Wetter unfreundlich. Erst in der zweiten Hälfte des Monats wurde es dann sehr sommerlich trocken und warm. Die Rebblüte war bis dahin sehr zögerlich und langsam verlaufen und es war fraglich ob sie noch im Juni zu Ende kommen würde. Dann aber ging es sehr schell und auch die kühleren Lagen, wo die Blüte nicht einmal begonnen hatte, verblühten in Rekordzeit. Der Juli blieb heiß und Anfang August war der Vegetationsstand vergleichbar mit 2009.
Kaum hofften wir wieder auf einen guten Jahrgang schlug das Wetter wieder um und es wurde kälter und regnerisch. Besonders der September war erheblich zu kalt. Es kam zu Botrytis Infektionen, die sich aber wegen der Kälte kaum ausbreiteten. Im Oktober wurde es wieder sehr warm und die Botrytis konnte sich schnell entwickeln. Etwa ab dem 10. Oktober kam zudem ein kräftiger Ostwind auf, der die faulen Trauben schnell eintrocknen ließ. Wir waren bis dahin von einer späten Lese ausgegangen aber angesichts einer Edelfäule wie aus dem Bilderbuch beschlossen wir nicht länger zu warten und begannen am 14. Oktober mit der Auslese der edelfaulen Trauben.
Die Mostgewichte waren von Anfang an sehr hoch, aber die Säurewerte ebenfalls. Im August und September fördern warme Tage den Abbau der Säure aber wegen der kalten Witterung in dieser Zeit war sie hoch geblieben und wurde nun durch die Botrytis weiter konzentriert. Die schlechte Blüte hatte sich auf die Erträge ausgewirkt: Nur in den kühleren Lagen im östlichen Teil des Scharzhofbergs und im Oberemmeler Rosenberg,die spät und unter besten Bedingungen geblüht hatten, gab es halbwegs vernünftige Mengen. Überall sonst war die Erntemenge erschreckend klein und wurde durch den Konzentrationseffekt der Edelfäule weiter reduziert. Wir beendeten die Lese am 30. Oktober und verloren noch einen Teil der Ernte beim vergeblichen Warten auf Eiswein. Zwar wurde es schon Ende November sehr kalt, aber unsere Trauben waren da schon verloren, da wir es ablehnen, sie mit Netzen oder Plastikfolie vor den Witterungseinflüssen zu schützen.
In der Geschichte des Weinguts hat es einen Jahrgang wie 2010 noch nicht gegeben. Nur in 2005 gab es jemals ein höheres durchschnittliches Mostgewicht während die durchschnittliche Säure auf einem Niveau liegt, das normalerweise mit sehr kleinen Jahrgängen assoziiert wird. Der Ertrag von nur 18 hl/ha verspricht andererseits Konzentration und Extrakt und wir glauben, einen großen Jahrgang im Keller zu haben, mit Weinen, die vielleicht in ihrer Jugend von der atemberaubenden Säure geprägt werden, die aber fast unbegrenzte Lebenserwartung haben.
Der Jahrgang 2011 im Weingut Egon Müller-Scharzhof
Der Winter 2009 - 2010 begann kalt, schon im November gab es Frost und im Dezember sehr viel Schnee. Der Januar war eher mild, mit noch normalem Niederschlag, der Februar ausgesprochen mild und trocken. Es blieb bis in den Juni hinein erheblich zu trocken, und dabei war es warm und sonnig. Am 4. Mai gab es Frost, der in anderen Weinbaugebieten großen Schaden anrichtete, bei uns aber so gut wie gar keinen. Die Blüte war am 2. Juni zu Ende! Der Blüteverlauf war gut und der Fruchtansatz vielversprechend.
Im Juni blieb es warm, aber endlich gab es Regen, der Juli war etwas kühler und leicht unbeständig, und auch der August war nicht wirklich sommerlich, ohne aber die Reife der Trauben zu verlangsamen.
Durch die lange Trockenheit war der Krankheitsdruck anfangs sehr gering, und wir entschlossen uns, eine ökologische Schädlingsbekämpfung zu wagen. Obwohl mit etwas mehr Feuchtigkeit im Juli und August auch der Infektionsdruck zunahm, waren das Ergebnis insgesamt zufriedenstellend, ob wir aber unter normalen Bedingungen weiterhin rein ökologisch wirtschaften können, bleibt abzuwarten.
Die Reife der Trauben begann sehr früh, und im September kam es bei feucht-warmen Wetter um die Monatsmitte zu Botrytis- und teilweise auch bakteriellen Infektionen. Neben edelfaulen gab es essigstichige Trauben. Ab dem 20. September blieb es dann trocken und es wurde sommerlich warm. Die Ausbreitung der Infektionen wurde dadurch gestoppt, und die faulen Trauben trockneten ein.
Wir begannen am 3. Oktober bei strahlendem Sonnenschein mit der Ernte. Wir wollten die essigstichigen Trauben entfernen und edelfaule Trauben ernten, da für die Wochenmitte Regen vorhergesagt war. Schon nach 1 ½ Tagen hatten wir genug Trockenbeeren gesammelt, um unsere Kelter zu füllen und obwohl unsere Lesemannschaft durch die Erfahrungen der vergangenen Jahre hoch qualifiziert ist, waren wir überrascht über das Ergebnis: Nicht einmal bei den ersten Tropfen, die von der Kelter liefen konnten wir das Mostgewicht messen! Bis zum Mittwochabend brachten wir genug für eine zweite Kelter zusammen um anschließend bei leicht unbeständigem Wetter die vorgelesenen Weinberge komplett zu ernten. Die Menge war größer als erwartet, aber die Trauben waren vollkommen gesund, reif und aromatisch. Ab dem 10. Oktober wurde das Wetter wieder besser und bis zum 16. ging es weiter mit Trockenbeerenauslese, möglicherweise noch sorgfältiger als in der Vorwoche. Dann kam die eigentliche Überraschung: Wir sortierten die verbleibenden edelfaulen, aber nicht wirklich eingetrockneten Trauben aus, was normalerweise Auslese und in Spitzenjahren vielleicht Auslese Goldkapsel ergibt aber diesmal war auch das zweifellos Trockenbeerenauslese. Der Oktober war der trockenste Oktober der vergangenen Jahre und so blieben die Trauben gesund, die Mostgewichte stiegen noch etwas an, und die Säuren blieben stabil. Wir konnten ohne großen Druck unsere Lese fortsetzen und brachten die letzten Trauben am 28. Oktober ein.
Das Ergebnis ist mehr als zufriedenstellend: Der Ertrag ist für unsere Verhältnisse hoch aber mit etwa 45 hl/ha keineswegs unanständig, die Reife ausgezeichnet und die Säurewerte liegen auf dem Niveau von 2007 oder 2009, die Qualitäts- und Kabinettweine sollten also unserem Ideal sehr nahe kommen. Insgesamt gab es wenig Botrytis und so wird es auch keine all zu großen Mengen an Spät- und Auslesen geben. Die „normalen“ Auslesen entsprechen fast Goldkapsel Standard, obwohl sie nur etwa zur Hälfte aus faulen Trauben bestehen. Auslese Goldkapsel wird sehr rar sein aber wir haben noch nie so viel Trockenbeerenauslese mit so hohen Mostgewichten geerntet, wie in 2011. Insgesamt ist es wieder ein Jahrgang, der sich aufgrund der Qualität schwer einordnen lässt, der aber sicher zu den ganz großen gehört.
Der Jahrgang 2012 im Weingut Egon Müller-Scharzhof
Nachdem schon die Vegetationsperiode in 2011 überwiegend zu trocken war, blieb auch der Winter 2011/12 niederschlagsarm. Zudem war es mild und erst als die Natur sich für den Frühling zu rüsten schien, kam im Februar der Frost. Zwei Wochen lang blieben die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und fielen nachts bis auf -17°.C. Die Weinberge nahmen zwar keinen wesentlichen Schaden, aber der ungewöhnliche Winter sollte beispielgebend für ein ungewöhnliches Jahr werden.
Der März war warm und trocken, es schien, als ob 2011 sich wiederholen wolle. Im April kam der ersehnte Regen, aber einmal da, wollte er nicht mehr aufhören. Mai und Juni waren obendrein zu kühl. Die Blüte zog sich über einen langen Zeitraum hin, mit der Folge, daß große Mengeneinbußen durch Verrieselung zu beklagen waren und innerhalb einer Traube die einzelnen Beeren deutlich unterschiedlich entwickelt. Obendrein war der Infektionsdruck durch Peronospora enorm. 2011 hatten wir erstmals auf synthetische Spritzmittel verzichtet - mit Erfolg. 2012 hatten wir ebenso begonnen, aber Ende Juni kam es zu ernsthaften Schäden und um Schlimmeres zu verhindern wurde von da an wieder konventioneller Pflanzenschutz betrieben. Trauben, die zu diesem Zeitpunkt von Peronospora befallen werden, trocknen ein und fallen ab sodaß es wieder zu Mengenverlusten kam. Damit war klar, daß 2012 ein kleiner Jahrgang sein würde und auch was die Qualität anging waren die Hoffnungen sehr bescheiden geworden.
Ende Juli wurde es endlich trocken und das Wetter im August war fabelhaft. Auch der September blieb sonnig, warm und trocken. Um den 10. August fingen die Trauben an, „in den Wein zu gehen“, 3 Wochen später als 2011 aber zur gleichen Zeit wie 2004 oder 2006. es zeigte sich, wie schnell Sommerregen verschwindet: Junge Anlagen zeigten hier und da Zeichen von Trockenheit und dort wo die Mengen klein waren schienen die Trauben deutlich schneller zu reifen, als da wo viel hing.
Ende September kam das Wild aus Futtermangel in die Weinberge. Trotz unserer Schutzmaßnahmen waren die Schäden enorm.
Am 15. Oktober begannen wir bei regnerischem Wetter mit der Ernte im Rosenberg, Braufels und in den östlichen Parzellen des Scharzhofberg, wo die Wildschäden am größten waren. Die Trauben waren sehr gesund, sodaß Auslese weder möglich noch nötig war. Die Mostgewichte waren erfreulich aber die Säuren noch etwas zu hoch und nach 2 ½ Tagen stellten wir die Lese vorerst ein.
Am 22. Oktober ging es weiter. Inzwischen war das Wetter erheblich besser geworden und es gab Edelfäule, die es uns erlaubte, gute Auslesen zu ernten, die aber für höhere Prädikate noch nicht genug eingetrocknet war. Weil die Ernte so klein war und ein Ende des guten Wetters absehbar, schien es besser, schnell fertig zu werden. Am 28. Oktober reichte es nach einer klaren, kalten Nacht zur Eisweinernte. Am nächsten Tag war es noch etwas kälter und die Trauben dieses Tages könnten einen Eiswein ergeben, zwar nicht auf dem Niveau der ganz großen, durchaus aber vergleichbar mit den Eiswein Auslesen aus 1973 oder 1975. Am Nachmittag wurden die letzten Trauben gelesen und am Abend regnete es...
2012 ist die kürzeste Ernte die ich erlebt habe und eine der kleinsten der letzten Jahre. Der durchschnittliche Ertrag lag bei nur 16 hl/ha. Die Qualität ist wesentlich besser als man im Sommer hoffen konnte und die Säurewerte lassen rassige Weine erwarten. Besonders die alten Parzellen im Scharzhofberg haben ausgezeichnete Trauben geliefert und möglicherweise können wir sowohl Kabinett als auch Spätlese „alte Reben“ abfüllen. Ich habe bisher keinen vergleichbaren Jahrgang erlebt, in den Aufzeichnungen meines Vaters aber interessante Parallelen zum 1953er gefunden: Ähnlicher Wetterverlauf, ähnlicher Peronosporadruck nach der Blüte und ebenfalls eine Ernte, in deren Verlauf die Mostgewichte zunahmen, während die Säuren stabil blieben. Bleibt zu hoffen, daß sich die 2012er ähnlich entwickeln.
Der Jahrgang 2013 im Weingut Egon Müller-Scharzhof
Der Winter 2012/2013 begann eigentlich mit der ungewöhnlich frühen Eisweinlese am 28. und 29. Oktober. Um Weihnachten wurde es zwar frühlingshaft warm, aber schon im Januar wurde es wieder kälter und Februar und März blieben winterlich. Einige schöne Tage im April machten Hoffnung auf Frühling, der Mai aber war wieder kühl und es fiel soviel Regen, daß die Flüße Hochwasser führten. Im Juni gab es zwar eine Reihe sehr schöner Tage, die aber immer wieder von kühlen und nassen Perioden unterbrochen wurden, sodaß die Blüte nur in den wärmeren Lagen begann. Die kühleren Lagen hatten am Ende des Monats noch gar nicht angefangen zu blühen.
Am 30. Juni wurde es dann sonnig und warm und die Blüte war innerhalb von 2, 3 Tagen beendet.
Schon zu diesem Zeitpunkt war abzusehen, daß dort wo die Blüte früh begonnen hatte viel verrieselt war und die Ernte sehr klein sein würde. Die Parzellen, die spät geblüht hatten, insbesondere unten im Scharzhofberg und auf der Westseite sahen aber vielversprechend aus.
Der Juli war mit über 300 Sonnenstunden ausgesprochen sommerlich, ebenso der August und die Vegetation konnte ihren Rückstand zum großen Teil aufholen. Die Bearbeitung der Weinberge war recht unproblematisch, der Krankheitsdruck eher gering. Das schöne Wetter hielt bis zum 8. September an. Kräftige Regenfälle leiteten eine wechselhafte und erheblich kühlere Phase ein. In den wärmeren Lagen waren die Trauben schon „im Wein“, in den kühleren Parzellen jedoch noch nicht und Riesling ist in diesem Moment recht empfindlich: es kommt zu Magnesiummangel, das Stielgerüst vertrocknet und die Trauben fallen herunter. Hier haben wir viel von unserer Ernte verloren.
Obendrein machte uns das Wild wieder sehr zu schaffen. Die Schäden konnten wir aber begrenzen, indem ein Mittarbeiter allnächtlich von Mitte September bis zur Traubenlese in den meistbetroffenen Parzellen patroullierte und die Tiere verscheuchte.
Im Oktober war es zwar recht warm, aber die Sonne zeigte sich wenig und so reiften die Trauben sehr langsam und die Säurewerte lagen auf einem ähnlichen Niveau wie 2010.
Die Ernte begann am 21. Oktober und endete nach nur 10 Lesetagen am 1. November. Die Mostgewichte waren gut, die Säuren hoch, aber die Menge war erschreckend klein: Im Durchschnitt kamen wir nur auf 11 hl/ha, seit 1945 hat es mengenmäßig keinen so kleinen Jahrgang gegeben. Es gab zwar etwas Edelfäule aber wegen der insgesamt kleinen Ernte konnten wir auch nur wenig auslesen. Wir haben ein kleines Faß Scharzhofberger Auslese Goldkapsel, das der Versteigerung vorbehalten ist.
Sicher werden die 2013er rassige, typische Saarweine sein, aber der Jahrgang wird immer vor Allem als der kleinste Jahrgang seit dem 2. Weltkrieg bekannt sein.
Der Jahrgang 2014 im Weingut Egon Müller-Scharzhof
Es gab keinen Winter 2013/2014. Die kälteste Nacht war die des 27. November mit -5,3° C. Dezember, Januar und Februar waren überdurchschnittlich warm bei etwa durchschnittlichem Niederschlag. Das Frühjahr begann sehr zeitig. März und April waren deutlich wärmer, sonniger und trockener als gewöhnlich. Am Ostermontag, dem 21. April, richtete ein Hagelsturm erheblichen Schaden vor allem im westlichen Teil des Scharzhofbergs an. Viele junge Triebe wurden von den Hagelkörnern einfach abgeschlagen.
Der Mai war eher durchschnittlich, aber die Blüte begann dennoch um die Monatsmitte. Sonniges und trockenes Wetter ohne extreme Hitze bot beste Blütebedingungen im Juni, aber wegen der Hagelschäden zog sich diese bis zur Monatsmitte hin.
Ende Juni standen die Weinberge hervorragend, aber im Juli änderte sich das Wetter grundlegend: es regnete viel, kaum ein Tag war ganz trocken und es war warm aber meist bedeckt. Die Bedingungen für Pilzkrankheiten waren ideal, dennoch entschlossen wir uns, beim ökologischen Pflanzenschutz zu bleiben. In der Folge kam es hier und da zu Infektionen durch Peronospora und gegen Ende der Saison auch durch Schwarzfäule. Wir haben, je nach Parzelle, 6 – 8 mal gespritzt.
Der August blieb regnerisch und obendrein wurde es kalt. Die Hoffnungen auf einen großen Jahrgang erhielten einen deutlichen Dämpfer. Im September besserte sich das Wetter, vor allem war es trocken. Nur am 20. September fiel nennenswerter Regen und Botrytis begann sich zu verbreiten. Im Allgemeinen wurde mit einer großen Ernte gerechnet, aber in unseren Weinbergen war die Menge nur durchschnittlich. Vielleicht haben die Kombination aus relativ geringem Ertrag und Verzicht auf systemischen Pflanzenschutz uns einen Reifevorsprung gebracht.
Während der ersten Oktobertage war es nach Morgennebel sonnig und sehr warm. Die Traubenlese sollte am 6. beginnen, aber da der Wetterbericht, der bis dahin stabiles Hochdruckwetter versprach, plötzlich Regen ankündigte, begannen wir schon am Sonntag. Das schöne Wetter der vergangenen Woche hatte den Trauben einen gehörigen Reifeschub gegeben und wir ernteten einige der besten Parzellen in Scharzhofberg und Wiltinger braune Kupp bei fast idealen Zucker- und Säurewerten. Der Regen aber kam: Ab dem 7. Oktober fielen während dreier Tage etwa 70 mm und die Mostgewichte brachen um mehr als 10° ein. Besserung war nicht in Sicht, im Gegenteil, es war warm und die feuchtwarme Witterung begünstigte die Ausbreitung von Fäulnis. Wir lasen die Parzellen für den „Scharzhof“ teilweise im Regen. Erst nach dem 12. Oktober wurde es trocken und in dem Maße, wie das Wasser ablief und verdunstete, stiegen die Mostgewichte wieder. Die Wetterbesserung sollte nur von kurzer Dauer sein, und wir beeilten uns, die Lese abzuschließen. Am 16. Oktober brachten wir die letzten Trauben ein. Nie haben wir eine Traubenlese früher beendet.
Ohne den Regen hätte 2014 ein ganz großer Jahrgang werden können, aber auch so sehen die Ergebnisse vielversprechend aus. Die Witterung im Herbst erinnert sehr an 2006, aber während wir damals trockenes Wetter abwarteten und eine sehr kleine Ernte mit vielen Spät-, Auslesen und sogar Trockenbeerenauslesen einbrachten, haben wir 2014 die Trauben gelesen, bevor sie komplett von Botrytis befallen waren. Mit 24 hl/ha ist die Menge zwar klein und abgesehen von einem kleinen Faß Scharzhofberger Auslese Goldkapsel konnten wir keine Spitzenweine auslesen, aber Mostgewichte und Säurewerte sind hoch und es wird interessant sein, diese beiden Jahrgänge zu vergleichen.
Der Jahrgang 2015 im Weingut Egon Müller-Scharzhof
Zum dritten Mal in Folge gab keinen richtigen Winter. Im November und Dezember fiel noch normaler Niederschlag, danach waren alle Monate teilweise deutlich zu trocken. Bis Ende August betrug das Niederschlagsdefizit etwa 180 mm. Generell war es schön, nach dem 10 April gab es keinen Frost mehr und die Blüte begann Ende Mai und war in der Wiltinger braunen Kupp am 15. Juni zu Ende. Just zu dieser Zeit war es eine Woche lang kühler und regnerisch und die Blüte in den anderen Lagen wurde entsprechend verzögert und erst um den 22. beendet.
Im Juli und August war es trocken und heiß, wenn auch nicht so extrem wie in 2003. Wegen der Trockenheit war der Infektionsdruck durch Pilzkrankheiten minimal und wir haben während der ganzen Saison nur 3 x gespritzt, aufgrund der Spätinfektion durch Schwarzfäule im Vorjahr mit systemischen Mitteln. Möglicherweise wäre die Saison aber ganz ohne Pflanzenschutz nicht anders verlaufen. Es gab keine Krankheiten. Laub und Trauben waren vollkommen gesund.
Die erste Septemberdekade war noch sommerlich aber dann schlug das Wetter um. Am 1. regnete es 20 mm, die wohl der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein waren aber vom 13. bis zum 23. September regnete es ständig, alleine am 16. fielen 40 mm. Die Reife war zwar schon weit fortgeschritten, aber trotzdem kam es wieder zu Stiellähme, einer Schwäche vor allem des Rieslings, die dazu führt, daß die Trauben abfallen. Botrytis trat auf und verbreitete sich schnell.
Ab dem 26. September wurde das Wetter wieder besser. Vom 24. 9. Bis zum 3. 10. fiel kein Regen und bei kräftigem Ostwind stiegen die Mostgewichte schnell. Es gab im Verlauf immer mehr Bodentrauben, besonders in den Drahtanlagen.
Am 4. 10. begannen wir mit der Lese, in der Hoffnung, Beeren- und Trockenbeerenauslesen zu ernten. Schnell mussten wir jedoch feststellen, daß das in diesem Jahr nicht so einfach sein würde: Obwohl die Mostgewichte der gesunden Trauben sehr hoch waren, war es nie ganz trocken und immer, wenn die faulen Trauben einzutrocknen schienen, fiel ein wenig Regen. Das änderte sich während der ganzen Lesezeit nicht und obendrein war die Wettervorhersage nie wirklich stabil. Die hohe Reife der gesunden Trauben tat ein Übriges um und anzutreiben und so unternahmen wir zwar große Anstrengungen, intensiv auszulesen, aber wir arbeiteten auch fast ohne Pause und am 24. Oktober beendeten wir die Ernte.
2015 ist sicher ein großer Jahrgang. Nach dem Sommer hätte man mit einem 2003er rechnen können und es gibt sicher einige Parallelen: Die Erntemenge ist fast auf den Liter so groß wie 2003 und die Mostgewichte liegen auf dem gleichen Niveau. Anfangs hing wohl etwas mehr an den Stöcken, im Verlauf wurde die Menge immer kleiner und im Durchschnitt haben wir 30 hl/ha geerntet. Das Bild der Ernte war auch ähnlich. Bis zum Ende blieb der Großteil der Trauben gesund, der Anteil an Botrytis war relativ klein. Ein Unterschied erklärt sich durch das Lesewetter und dadurch, daß es nie richtig trocken wurde: Es war zwar relativ einfach, große Auslesen zu ernten und eine Trockenbeerenauslese gibt es auch, aber die unglaublichen Mostgewichte, die 2003 möglich waren haben wir nicht annähernd erreicht.
Was man nach dem Sommer aber kaum erwartet hätte, sind die Säurewerte, die doppelt so hoch sind wie in 2003 und die 2 – 3 g über den Werten für 2007 oder 2009 liegen. Wieder einmal haben wir also einen Jahrgang, wie es ihn noch nicht gegeben hat. Man darf aber erwarten, daß wir uns daran erfreuen werden.
Der Jahrgang 2016 im Weingut Egon Müller-Scharzhof
Der Winter 2015-2016 war wieder mild. Die 2015 vorherrschende Trockenheit setzte sich bis Dezember fort, aber ab Januar waren alle Monate regenreicher als der Durchschnitt. März und April waren eher kühl, der Austrieb kam spät. Der Mai war deutlich wärmer aber auch sehr regnerisch. Auch der Juni war warm und naß und bei Tag- und Nachttemperaturen nahe 20° war der Peronospora-Druck enorm. Teilweise waren die Bedingungen für den Pilz so gut, daß die Inkubationszeit nur etwa einen Tag betrug. Die ersten 3 Spritzungen waren noch ökologisch, aber unter den gegebenen Bedingungen war es unmöglich, alle Weinberge immer rechtzeitig zu spritzen und wir stellten auf systemische Mittel um. In dieser Phase verloren wir wohl 40% der Ernte. Die Blüte begann Anfang Juni und zog sich bis Ende Juni hin. Nun wurde im Wochenabstand gespritzt und wir konnten weitere Schäden weitgehend abwenden. Besonders groß waren die Verluste im Braunfels und in Saarburg, hier wegen der Lage in einem engen Tal und dort, weil der Weinberg zu weit weg ist, um ihn immer im Auge zu haben.
Im August hörte es auf zu regnen. Bis Ende September war es sonnig, heiß und trocken. Die Vegetation schritt jetzt schnell voran, aufgrund der vorangegangenen Regenfälle stand immer genügend Wasser zur Verfügung und Mitte September nahmen die Mostgewichte in nur einer Woche um 15° zu. Die Trauben waren durch die langgezogene Blüte verrieselt und lockerbeerig aber die Beeren waren recht groß und die Größe der Beeren hat die Verluste durch Peronospora zum Teil ausgeglichen. Am 1. Oktober fielen 20 mm Regen und die Weinberge nahmen einen kräftigen Schluck. Die Mostgewichte gingen erst einmal deutlich zurück, um in der Folge bei trockenem, eher kühlen Wetter wieder langsam zu steigen.
Am 10. Oktober begann die Traubenlese. Die erste Woche war trocken, aber der langfristige Wetterbericht kündigte immer Regen an. Wir ernteten zuerst die stark von Peronospora geschädigten Weinberge in Saarburg und im Braunfels. Wie erwartet waren die Erträge gering und lagen bei weniger als einem Fuder pro Hektar. Dann lasen wir im Scharzhofberg und in der braunen Kupp außerordentlich gesunde Trauben mit sehr guten Mostgewichten. Auch hier waren die Mengen klein, in der Kupp wohl aufgrund der Nähe zum Fluß etwas unter und im Scharzhofberg etwas über 2 Fuder pro Hektar. In der 2. Woche regnete es etwas aber die Trauben waren weiterhin so gesund, daß es nicht möglich war, Auslesen zu selektieren. Da der Wetterbericht sich stabilisierte, hörten wir mit der Lese auf, in der Hoffnung, daß es doch noch zu einer Botrytisinfektion und Edelfäule kommen würde. Die Botrytis kam zwar nach kräftigen Regenfällen am 24. Oktober, aber trotz des anschließend schönen Herbstwetters trockneten die Trauben nicht wesentlich ein. Als sich ein Ende der ruhigen Wetterlage abzeichnete, begannen wir am 2. November wieder mit der Ernte. Übrig waren noch etwa 1 ha Braunfels und 4 ha Scharzhofberg, mit Ausnahme der Parzelle Mallmann alle auf der Ostseite des Bergs. Nach Osten hin waren die Erntemengen größer bis hin zu fast normalen 3 Fudern pro Hektar im Rosenberg. Die Säurewerte, die zu Anfang der Lese vielleicht niedrig schienen, waren während der ganzen Zeit stabil geblieben. Die Mostgewichte hatten etwas zugenommen, aber es war immer noch nicht möglich, Auslesen zu ernten obwohl in der Parzelle „Mallman“ wirklich nicht viel gefehlt hat. In Anbetracht des heraufziehenden Regens beendeten wir die Traubenlese am 4. November.
Generell waren wir mit der Qualität der Tauben sehr zufrieden, aber das gänzliche Fehlen von Auslesen wollten wir nicht hinnehmen und so ließen wir trotz der kleinen Ernte und der milden Winter der vergangenen Jahre Trauben in der Hoffnung auf Eiswein hängen. Am 30. November wurde es tatsächlich kalt und wir konnten bei -9,5°C ernten. Der Gesundheitszustand der Trauben wurde hier zum Vorteil, denn die Verluste waren erträglich geblieben und wir schafften es nicht, alles bis Sonnenaufgang einzubringen. Das Glück blieb uns aber treu und nach ein paar wärmeren Tagen wurde es am 5. Dezember wieder eisig kalt und wir beendeten unsere Eisweinlese.
Insgesamt verspricht der Jahrgang 2016 sehr gut zu werden. Die Trauben waren wunderschön, Zucker- und Säurewerte ideal und zu keiner Zeit mussten wir unter Druck arbeiten, alles konnte zum richtigen Zeitpunkt eingebracht werden. Ein Wermutstropfen ist natürlich das Fehlen von Edelfäule und somit auch von Auslesen und auch den „Scharzhof“ wird es nicht in den gewohnten Mengen geben da die gute Ernte im Rosenberg die Verluste im Braunfels und in Saarburg nicht wettmachen konnte. Es ist auch unmöglich, einen vergleichbaren Jahrgang in der Vergangenheit zu finden, da wir noch nie eine annähernd so lange Pause während der Lese eingelegt haben. Wenn man aber Kabinett- und Spätleseweine auf dem Niveau von 2014, 2012 oder 2004 erwartet, wird man sicherlich nicht enttäuscht werden.
Der Jahrgang 2017 im Weingut Egon Müller-Scharzhof
Der Winter 2016-2017 begann früh und war kalt. Schon am 30. November konnten wir bei – 9,5° C Eiswein lesen und es blieb bis Ende Januar kalt. Die zum Jahresende 2016 vorherrschende Trockenheit setzte sich fort. Im Februar wurde es wärmer und der März war sehr warm und sonnig. Auch Anfang April blieb es frühlingshaft und die Weinberge zeigten schon bald erstes Grün. Zwischen dem 18. Und dem 28. April gab es wiederholt Frost bis zu -5° C. Die Schäden waren beträchtlich, besonders unten im Scharzhofberg aber da es unterschiedliche Fröste waren, blieb kein Weinberg ganz verschont. Der April war mit nur 4,6 mm Niederschlag extrem trocken und wegen der Trockenheit hielten sich die Verluste in Grenzen, im Durchschnitt waren es wohl nicht mehr als 30%.
Im Mai wurde es heiß. Es blieb trocken, aber die Weinberge entwickelten sich gut. Erste blühende Reben konnte man schon Ende Mai finden und Mitte Juni war die Blüte überall beendet. Wegen der Trockenheit begannen wir erst im Juni mit dem Pflanzenschutz, nur mit ökologischen Präparaten. Trotz der anhaltenden Trockenheit entwickelten sich die Trauben gut und die Beeren wurden recht groß. Ein Teil der Frostschäden wurde dadurch ausgeglichen.
Im Juli drehte sich dann der Trend. Es blieb zwar warm, aber es regnete überdurchschnittlich viel. Auf den ausgedörrten Böden verpufften die Niederschläge aber weitgehend. Ende Juli gingen die ersten Trauben in den Wein und nach der 5. Behandlung (28.-30. Juli) stellten wir den Pflanzenschutz ein. Es blieb zwar warm aber auch überdurchschnittlich naß. Trotzdem waren die Weinberge erstaunlich gesund und erst spät im August gab es erste faule Beeren. Im September wurde es kalt und obwohl es weiter regnete, verlangsamte sich die Ausbreitung der Botrytis erheblich, aber es war klar, daß es eine frühe Ernte geben würde. Mitte September wurde es trocken und am 25. September begannen wir mit der Traubenlese.
Während der ersten Erntewoche war das Wetter schön, morgens war es neblig, gegen Mittag lichtete sich der Nebel und es war sonnig. Wir ernteten edelfaule Trauben und lasen aus diesen die Rosinen für Beeren- oder Trockenbeerenauslese aus. Die Mostgewichte waren hoch und ebenso die Säurewerte. Am 30. September begann es zu regnen. Nachts fielen 18 mm Niederschlag. Bis hierher war der langfristige Wetterbericht recht günstig gewesen: Kräftiger Regen für das Wochenende war zwar vorhergesagt, danach aber sollte es 2 Wochen lang trocken bleiben. Jetzt aber änderte sich der Ausblick erheblich, sodaß wir von Schauerwetter ausgingen. Wir lasen weiter die edelfaulen Trauben aus, obwohl das die Ernte sehr verlangsamt und zu unserem Glück gab es nur kleinere Schauer und zum nächsten Wochenende hin wurde die Wetterprognose auch wieder besser. Nach ein paar Tagen mit strahlendem Sonnenschein beendeten wir die Lese am 14. Oktober.
Für uns ist es die früheste Ernte aller Zeiten. Der Lesebeginn lag 4 Tage früher als 2003 und das Ende 2 Tage früher als 2014. Zum großen Teil liegt das natürlich am heißen Frühjahr und Sommer, die eine frühe Reife begünstigt haben. Auch der Frost im April hat seinen Teil beigetragen indem er die Menge reduzierte und damit den Reben während der Trockenheit im Mai und Juni stressfreies Wachstum ermöglichte. Auch achten wir aufgrund der Erfahrungen aus vergangenen heißen Jahren ein wenig mehr auf die Säurewerte aber in erster Linie ist die kleine Menge die für den frühen Leseschluß verantwortlich: Wir haben nur 29 Fuder im Keller, oder durchschnittlich 18 hl/ha.
Neben dem Frost war es die Edelfäule, die durch Verdunstung Volumen kostete, uns aber durch Konzentration mehr als entschädigte. Es gibt sehr vielversprechende Auslesen, Beeren- und Trockenbeerenauslesen, die einen großen Teil der Ernte ausmachen, aber dennoch ist 2017 kein Botrytisjahrgang wie 2006 oder 2005, in dem alle Trauben mehr oder weniger edelfaul sind. Vielmehr ähnelt der Jahrgang dem 2011er: Wir haben alle Parzellen im Scharzhofberg und in der Wiltinger braunen Kupp zweimal ausgelesen und die Trauben, die danach noch übrig waren, waren gesund und reif. Durch die Kälte im September blieben aber die Säurewerte auf hohem Niveau stabil und während die Mostgewichte auf dem Niveau von 2011 liegen, sind die Säuren im Durchschnitt 1,5 g/l höher und versprechen bei aller Konzentration spannende, elegante Weine.
Der Jahrgang 2018 im Weingut Egon Müller-Scharzhof
Der Winter 2017-2018 war mild und regnerisch. Insbesondere im Dezember und Januar gab es sehr viel Niederschlag. Februar und März waren etwas kälter als der Durchschnitt, aber im April verbesserte sich das Wetter und April und Mai waren die jeweils wärmsten Monate seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.
Die Reben trieben zwar recht spät aus, wuchsen dann aber sehr schnell. Ende Mai gab es viel Regen und der Peronospora-Druck stieg stark an. Wir mussten schon am 17. Mai mit dem Pflanzenschutz beginnen. Die erste Spritzung wurde noch mit Kupfer und Schwefel gemacht, aber aufgrund der Witterung und der 2016 gemachten Erfahrungen entschlossen wir uns, auf systemische Mittel umzusteigen. In der Nacht zum 1. Juni fielen 80 mm Niederschlag und es kam stellenweise zu Ausschwemmungen. Bis Mitte Juni blieb es feucht-warm und teilweise mussten wir in sehr kurzen Abständen spritzen. Trotzdem kam es im Braunfels und in den von Hand gespritzten Weinbergen zu Peronospora Infektionen, die sich aber in Grenzen hielten. Die Blüte begann früh, verlief gut und war am 5. Juni zu ende. Es gab recht viele Jungfernbeeren aber der Fruchtansatz war sehr erfreulich.
Im Juli wurde es heiß und trocken. Die Witterung begünstigte die Entwicklung der Weinberge und Laubarbeit, Unkrautbekämpfung und Pflanzenschutz waren insgesamt unproblematisch. Die letzte Spritzung fand am 6. Juli statt.
Schon am 17. Juli gingen die ersten Trauben an besonders heißen Stellen in den Wein und nur eine Woche später konnte man überall weiche Beeren finden. Im August wurde es sehr heiß mit Temperaturen bis zu 37°. Anfangs stiegen die Mostgewichte rasant an und zeitweise rechneten wir mit einem Lesebeginn Mitte September. Der September war aber eher durchschnittlich und der Mostgewichtsanstieg verlangsamte sich etwas, wahrscheinlich auch aufgrund des großen Behanges.
Am 24. September begannen wir mit der Traubenlese, nachdem am Wochenende ein Sturmtief durchgezogen war. Die Trauben waren reif und außergewöhnlich gesund und die Menge übertraf unsere Erwartungen. Erst ernteten wir Trauben für den „Scharzhof“ im Oberemmeler Rosenberg und im Wiltinger Braunfels und schon nach 3 Tagen hatten wir so viel Most im Keller wie 2017. In den letzten Septembernächten fiel die Temperatur bis auf 0°, und in der Folge waren die Säuren um etwa 1g/l niedriger. Das war für uns Grund, uns zu beeilen, denn einen weiteren Säurerückgang hätten wir ungern gesehen. Während der gesamten Lese blieb es trocken, meistens sonnig und warm mit Temperaturen bis zu 28°. Der Anteil an edelfaulen Trauben nahm zwar langsam zu, blieb aber bis zum Ende sehr klein. Die Qualität der Botrytis war aber hervorragend und durch die anhaltende Trockenheit begannen auch die gesunden Trauben zu schrumpfen und die Mostgewichte stiegen immer weiter, während die Menge entsprechend zurückging
Am 20. Oktober brachten wir die letzten Trauben ein. 2018 ist für uns die größte Ernte seit langer Zeit. Der durchschnittliche Ertrag lag bei 51 hl/ha. Wir sind begeistert von der Qualität der Trauben und glauben, für jedes Prädikat genau die Qualität geerntet zu haben, die wir uns vorstellen. Die Mostgewichte waren hoch, aber nicht auf dem Niveau von beispielsweise 2005 oder 2010. Die Säuren sind moderat, die pH-Werte aber sehr niedrig. Generell ist 2018 kein Botrytisjahrgang, ähnlich wie in 2011 haben aber schon relativ kleine Anteile an Edelfäule einen großen Konzentrationseffekt und die 2018er Auslesen und Trockenbeerenauslesen dürften auf einem vergleichbaren Niveau liegen.
Der Jahrgang 2019 im Weingut Egon Müller-Scharzhof
Der Winter 2018-2019 war mild. Im Dezember gab es sehr viel Niederschlag aber ansonsten war es eher trocken. Januar, Februar und März waren sonnig und recht warm, nur der Mai war kühl und regnerisch. Nach Schneeregen am 4. Mai gab es am 5. Und 6. Jeweils leichten Frost, am ersten Tag klassisch mit Schäden unten am Berg, am zweiten Tag wurde die kalte Luft von starkem Nordwind über die Berge getrieben. Es gab Schäden oben im Rosenberg, oben im Braunfels und selbst in der braunen Kupp entlang der Grätebach. Die Entwicklung der Weinberge verzögerte sich und erst Ende Mai blühten die ersten Reben. Ein paar sehr warme Tage Anfang Juni beschleunigten das Wachstum und am 20. Juni war die Blüte beendet.
Es blieb heiß, vom 23. – 26. Juli wurden Hitzerekorde aufgestellt. Es gab erhebliche Sonnenbrandschäden in den ganz alten Weinbergen und dort, wo kurz zuvor gegipfelt worden war. Dort wo die Triebe noch nicht beschnitten waren, gab es so gut wie keine Schäden. August und September blieben warm und trocken, erst am 20. September drehte das Wetter. Es wurde warm und nass und Botrytis begann, sich auszubreiten.
Die Reife der Trauben schritt gut voran und wir bereiteten uns wieder auf eine Traubenlese im September vor. Erstaunlicherweise stiegen die Mostgewichte im September erst einmal nur sehr langsam und die Entscheidung über den Leserbeginn war nicht einfach. Nach einer eher regnerischen Woche begannen wir am 30. September bei schönem Wetter mit der Ernte.
Von Anfang an konnten wir edelfaule Trauben selektieren und Zucker und Säure schienen in perfektem Verhältnis. Vom 6. Bis zum 8. Oktober war es regnerisch und wir mussten öfters pausieren. Dann aber wurde es wieder schön und wir ernteten in Saarburg und im Braunfels Trauben für den „Scharzhof“.
Ab dem 12. stiegen die Mostgewichte mit zunehmender Botrytis rasant und wir konnten wieder edelfaule Beeren auslesen. Längerfristig waren die Wetteraussichten jedoch nicht gut und wir hielten das Tempo hoch, da wir bei weiterem Regen um die Qualität der Trauben fürchteten. Am 18. Oktober war die Ernte zuende.
Seit 2014 waren die Sommer heiß und es war tendenziell zu trocken. Die alten Reben scheinen unter diesen Umständen weniger wiederstandsfähig zu sein und so konnte die Reblaus sich erheblich ausbreiten. In einem unserer alten Weinberge hatten wir schon seit Jahren Reblausbefall festgestellt. Im heißen Sommer 2018 waren viele Stöcke abgestorben und 2019 verschlimmerte sich die Situation so, daß Ertrag und Qualität massiv betroffen waren und wir beschlossen schweren Herzens, diese Parzelle auszuhauen.
Die Ernte 2019 ist insgesamt klein, aber von hoher Qualität. Im Durchschnitt haben wir 20 hl/ha geerntet, bei allerdings erheblichen Unterschieden von Weinberg zu Weinberg. Während es in der braunen Kupp fast zufriedenstellende 25 hl/ha waren, kamen wir im Scharzhofberg aufgrund von Frost, Sonnenbrand und Reblaus nur auf 18 hl/ha. Im Unterschied zu 2018 ist 2019 ein klassischer Btrytisjahrgang. Gemessen an der insgesamt kleinen Erntemenge gibt es reichlich Spät- und Auslesen aber sehr wenig Kabinett. Erste Proben lassen einen Vergleich mit dem 99er zu.
Der Jahrgang 2020 im Weingut Egon Müller-Scharzhof
Wieder gab es keinen richtigen Winter. Im Oktober 2019, während der Traubenlese, hatte es nach langer Trockenheit kräftig geregnet und auch November und Dezember waren nass, aber eher mild. Der Januar war weitgehend trocken, erst gegen Ende des Monats fiel nennenswerter Niederschlag aber dann regnete es durchgehend, bis in den März. Dabei blieb es sehr warm und ab Mitte März schien die Sonne fast ununterbrochen.
Die Vegetation begann sehr früh, die ersten Blüten beim Riesling konnte man am 12. Mai finden. Dann bremste ein kurzer Kälteeinbruch die Natur: Am 12. Mai gab es nach Regen leichten Frost, der in unseren Weinbergen aber nur sehr begrenzt Schäden verursachte. Die Blüte zog sich dadurch aber hin und war erst am 15. Juni komplett beendet.
Am 5. Juni gab es nach längerer Trockenheit den ersten kräftigen Regen und wir mussten mit dem Pflanzenschutz beginnen. Insgesamt war es sonnig und warm aber es gab hin und wieder Gewitter, die sich bis zum Ende des Monats auf überdurchschnittliche 75 mm summierten. Wir hatten nur Schwefel und Kupfer gespritzt und so mussten wir schon am 15. Juni die zweite Behandlung durchführen. Der Regen hörte Ende Juni auf und der Juli war heiß und trocken. Vom 10. Bis zum 13. Juli haben wir zum dritten und letzten Mal gespritzt.
Während des Frühjahrs befand sich Europa wegen der Corona Pandemie im Lock-down. Unser Frühjahrsteam konnte nicht aus Polen anreisen und wir waren in Sorge, die anstehenden Arbeiten termingerecht ausführen zu können. Im Sommer normalisierte sich die Situation und das schöne Wetter tat ein Übriges. Juli und August waren heiß und trocken, aber es gab keine extreme Hitze. Nur um den 10. August gab es ein paar wirklich heiße Tage und stellenweise Sonnenbrand an den Trauben.
Die Trauben entwickelten sich prächtig und man konnte mit einer großen Ernte rechnen. Aufgrund der Hygieneauflagen mussten wir mit einer relativ kleinen Lesemannschaft planen und wir beschlossen, jedenfalls früh mit der Ernte zu beginnen. In der Woche vor dem geplanten Start verschlechterten sich die Wetteraussichten erheblich und anstatt wie geplant am 21. September, fingen wir schon am 20. mit der Lese an. Die Trauben waren reif aber nicht überreif und es gab keine Edelfäule. Der angekündigte Regen kam erst einmal nicht und wir ernteten eine Woche lang bei bestem Wetter Kabinettrauben.
Am 27. September regnete es dann doch und für uns begann ein Pokerspiel. Wir wollten auf Edelfäule warten, aber schöne, fast sommerliche Tage wechselten sich mit Regentagen ab. Botrytis kam, konnte aber nie richtig eintrocknen und langsam begannen die Säurewerte zu fallen. Wir pausierten mehrmals in der Hoffnung auf besseres Wetter, ernteten dann wieder ein paar Tage und schließlich, am 21. Oktober waren wir fertig.
In der Hoffnung auf frühen Frost hatten wir ein paar Trauben hängen lassen. Der Frost kam zwar nicht, aber nach dem nassen Oktober wurde das Wetter im November besser. Endlich trockneten die Trauben ein und da für die kommende Woche Sturm gemeldet war, ernteten wir die letzten Trauben am 14. November.
Wenn ich versuche, in der Vergangenheit einen vergleichbaren Jahrgang zu finden, muß ich passen. Allenfalls lassen sich gewisse Parallelen mit 2016 ziehen: Die makellosen, gesunden, reifen Trauben zu Beginn der Ernte, das Pokerspiel um Edelfäule und schließlich die Kapitulation vor der Natur. Wenn wir auch die Spitzen der letzten 3 Jahre nicht erreichen, darf man doch sicher mit sehr guten Kabinett- und Spätleseweinen rechnen.
Der Winter war wieder recht mild mit viel Regen im Dezember, Januar und Februar. Das Wasserdefizit aus den trockenen Vorjahren wurde aber nicht ausgeglichen. Anfang Februar wurde es erst kalt mit etwas Schnee und dann schnell sehr warm, mit Temperaturen bis zu 18°. Vom immer früheren Vegetationsbeginn der letzten Jahre verunsichert, forcierten wir die Winterarbeiten, aber das schöne Wetter währte nicht lange. März, April und Mai waren deutlich kälter als im langjährigen Mittel. Vom 14.-26. Mai war es regnerisch, ansonsten aber trocken.
Der Juni war sehr schön, ohne extreme Hitze. Die Blüte begann recht spät, verlief aber zügig. Wegen der Trockenheit haben wir erst am 22. Juni mit dem Pflanzenschutz begonnen und in die abgehende Blüte gespritzt.
Am 14. Juli fiel, hauptsächlich über der Eifel, so viel Regen, daß die Flüsse über die Ufer traten. An der Ahr gab es verheerendes Hochwasser aber auch Kyll und Sauer stiegen sehr schnell auf nie gesehene Höchststände mit großen Schäden. Die Saar hingegen, die in den Vogesen entspringt, war kaum betroffen.
Allerdings verursachte die anhaltende Feuchtigkeit enormen Peronospora Druck. Wir spritzten systemisch am 16./17. und, nach weiteren kräftigen Regenfällen, am 27./28. Diese Spritzung, die 4., die eigentlich die Letzte sein sollte, kam einen Tag zu spät. Es kam zu Infektionen an den Trauben und wir verloren etwa 20% unserer Ernte. Die besonders betroffenen Parzellen haben wir dann noch einmal gespritzt.
Der August war sehr kühl und feucht, die jungen Blätter wurden weiterhin von Peronospora infiziert und die ersten Trauben wurden erst um die Monatsmitte weich. Es gab ungewöhnlich große Unterschiede in der Entwicklung selbst in benachbarten Parzellen, die allem Anschein nach auf die Bearbeitung der Weinberge und das Ertragsniveau zurückzuführen waren.
Der September war warm, trocken und sonnig. Auch der Oktober war schön und meistens warm.
Wir begannen die Lese am 11. Oktober, 3 Wochen später als 2020. (In den 80er Jahren wäre das noch früh gewesen.) Anfang Oktober hatte es etwas geregnet und die bis dahin sehr gesunden Trauben begannen zu faulen. Die Mostgewichte waren durchweg erfreulich, die Säuren nach dem kalten August sehr hoch und die Trauben besonders aromatisch.
Etwa die Hälfte unserer Lesemannschaft waren Neulinge. Insgesamt gab es nicht viel Edelfäule und es war sehr schwer, so viele Neue einzuarbeiten. Daher bildeten wir ein Auslese Team, das mit den erfahrensten Lesern die edelfaulen Trauben erntete, der Rest der Mannschaft hat dahinter Alles gelesen.
Wir beendeten die Lese am 28. Oktober. Der durchschnittliche Ertrag liegt bei 30 hl/ha, die Mostgewichte erreichen nicht das Niveau von 2019, liegen aber höher als 2020 und die Säure verleiht den Weinen eine geradezu elektrische Spannung, die, zusammen mit der ausgeprägten Aromatik, Anlaß gibt, auf einen ganz besonderen Jahrgang zu hoffen.
Wieder war der Winter sehr mild. Oktober, November und Dezember waren eher trocken, Januar und Februar naß. Danach blieb es sehr trocken. Nach dem warmen Winter waren März und April durchschnittlich. Im Mai wurde es warm und die Weinberge wuchsen gut. An geschützten Stellen begann die Blüte am 14. Mai und am 10. Juni waren die Alles weitgehend verblüht.
Der Fruchtansatz war sehr gut, die meisten Triebe hatten 3 Gescheine und manchmal sogar vier.
Wegen der Trockenheit mussten wir nur zweimal spritzen, am 24. Mai und am 2. Juni. Kupfer und Schwefel waren ausreichend.
Im Juli regnete es nur 2 mm und die Trockenheit war überall zu spüren. Die Entwicklung der Trauben verlangsamte sich, das Laub der Bäume begann zu vergilben. Die Weinbergsarbeiten waren aufgrund der Trockenheit unproblematisch. Angesichts des großen Fruchtansatzes und nach den Erfahrungen aus 2020 wurden zum ersten Mal seit 1993 die Menge reguliert: auf etwa 1/3 unserer Weinberge wurden an jedem Trieb die 3. Und 4. Traube abgeschnitten und im „breiten Weinberg“ wurden die Trauben geteilt.
Es war meistens nicht extrem heiß, nur im August gab es eine längere Hitzeperiode mit Temperaturen bis zu 37°. Gewitter am 5., 15. Und 31. August mit lokal sehr unterschiedlichen Niederschlagsmengen, reichten im Scharzhofberg gerade aus, um die Weinberge zu versorgen.
Der September begann warm und mit heftigen Gewittern. In der Wiltinger braunen Kupp kam es mehrmals zu erheblichen Abschwemmungen.
Ab Mitte September wurde es deutlich kühler. Die Lese begann, wie geplant am 19. und wie wir vermutet hatten, waren aufgrund der großen Menge wie schon in 2020 die Mostgewichte nicht so hoch, wie man es nach diesem Sommer erwartet hätte. Die Trauben waren im Großen und Ganzen sehr gesund, und man hätte gerne noch etwas gewartet, die Säurewerte waren jedoch recht niedrig und es stand zu befürchten, daß sie im Verlauf der Ernte weiter sinken würden.
Alte, kräftige Anlagen waren besonders gut mit der Trockenheit zurechtgekommen, während die jungen Weinberge, die 2015 oder später gepflanzt wurden, besonders gelitten haben. Die besten Qualitäten gab es da, wo ausgedünnt war und in den Parzellen, die von selbst wenig Trauben trugen.
Nach den Niederschlägen Ende August und Anfang September breitete sich Botrytis aus und nachdem wir 3 Tage lang Trauben für den „Scharzhof“ geerntet hatten, begannen wir mit der Auslese. Wäre es trocken geblieben, hätten wir möglicherweise ähnliche Qualitäten wie 2018 ernten können, aber am 27. fielen 12 mm Regen und am 1. und 2. Oktober noch einmal 30 mm. Am 6. Oktober war die eigentliche Ernte beendet, wir hatten aber 1 ½ ha im Scharzhofberg liegen gelassen, da der Wetterbericht dauerhaft gutes Wetter versprach. Dabei blieb es aber nicht und so sortierte vom 10.-13. Oktober ein kleines Team von Spezialistinnen dort die edelfaulen Trauben. Wir konnten zwar Auslesen von guter Qualität einbringen, darüber aber nur ein kleines Gebinde, das Goldkapsel Qualität verspricht.
Natürlich stellt sich die Frage, ob bei späterer Erne noch bessere Qualitäten möglich gewesen wären. Der Oktober war der wärmste seit 2001, aber er war nicht nur sehr sonnig und warm, sondern mit über 100 mm auch besonders naß. Wärme und Feuchtigkeit ließen die Trauben schnell faulen und sie konnten nie richtig eintrocknen. So bleibt es dabei: wir hätten gerne später geerntet, aber die Qualität wäre dann nicht besser geworden, im Gegenteil.
Der Jahrgang ähnelt 2020 und 2018. Der Ertrag war mit durchschnittlich 40 hl/ha kleiner und daher glauben wir, daß die Weine etwas besser sein werden als in 2020, die Spitzen von 2018 haben wir aber nicht erreicht. Die Säurewerte blieben wider Erwarten bis zum Ende stabil und somit dürften auch die Weine sich rassiger präsentieren, als die 2020er oder 2018er.
Der Winter war wieder sehr mild. Der ausgiebige Regen im September und Oktober hatte die Trockenheit beendet und auch im November, Dezember und besonders im Januar regnete es überdurchschnittlich viel. Der Februar war warm und trocken, März und April brachten aber wieder überdurchschnittlich viel Niederschlag und der April war zudem recht kühl mit einigen Frosttagen, so daß die Vegetation, die sehr früh begonnen hatte, gebremst wurde. Mai, Juni und Juli waren warm, ohne extrem hohe Temperaturen und sehr trocken. Die Reben gediehen prächtig. Selten haben wir so große Blätter und Gescheine gesehen. Die Blüte begann im Vergleich der letzten Jahre eher spät, verlief aber sehr zügig und war um den 18. Juni beendet.
Der Pflanzenschutz war aufgrund der Trockenheit unproblematisch und Mitte Juli waren wir der Meinung, der Sommer würde wie im Vorjahr von Dürre und Hitze geprägt. Wir haben in allen Weinbergen die 3. Traube an jedem Trieb abgeschnitten, aus Furcht daß bei anhaltender Trockenheit das Ernteniveau zu hoch sein könnte.
Am 18. Und am 19. Juli waren die Nächte sehr kühl. Wir hatten am 4. Juli zum letzten Mal gespritzt, bis dahin nur ökologisch, und da wir wussten, daß die Weinberge mittlerweile ohne Schutz waren haben wir sehr genau kontrolliert. So haben wir glücklicherweise die Oidium Infektion sofort gesehen und kontrollieren können.
Es folgte allerdings eine sehr unbeständige Witterung, die bis Ende August anhielt. Vom 24. Juli bis zum 31. August fielen etwa 250 mm Niederschlag. In dieser Zeit haben wir dreimal gespritzt, so oft wie in der ganzen Saison bis dahin und nun mit systemischen Mitteln. Die Lage schien unter Kontrolle und bei der letzten Spritzung wurden nur die Weinberge, die normalerweise spät gelesen werden, behandelt, da wir von einer frühen Lese ausgingen. Der nasse August verlangsamte die Reife allerdings und Anfang September schien ein Erntebeginn Anfang Oktober wahrscheinlich. Die Weinberge die nicht spät gespritzt worden waren zeigten jetzt deutliche Peronospora Schäden.
Der September war sehr warm, sonnig und trocken. Die Mostgewichte schossen in die Höhe aber dort wo das Laub von Peronospora geschädigt war, war die Zuckerzunahme deutlich geringer. Die Trauben waren ungewöhnlich aromatisch und die Säuren hoch.
Die anhaltende Feuchtigkeit hatte auch die Botrytis begünstigt und ab Mitte September bot sich die Gelegenheit, edelfaule Trauben auszulesen. Wir begannen am 20. mit der Ernte und mussten schnell feststellen, daß es zwar recht viele Trockenbeeren gab, deren Pressausbeute aber eher klein war, da die Botrytisinfektion zu einem sehr frühen Zeitpunkt gekommen war und es eines hohen Konzentrationsfaktors bedurfte, um die gewünschten Mostgewichte zu erreichen.
Im Verlauf der Lese gingen die Erntemengen, die anfangs noch bei etwa 50 hl/ha gelegen hatten, zurück. Der Rückgang beschleunigte sich in der 3. Woche, allerdings nun bei deutlich höheren Mostgewichten.
Am 10. Oktober wurden die letzten Trauben eingebracht. Im Durchschnitt lag der Ertrag bei 28 hl/ha, die Mostgewichte liegen im Durchschnitt auf dem Niveau von 2021, wenn auch mit größeren Abweichungen nach oben und nach unten, die Säuren sind noch höher, vor allem bei den Botrytis Weinen atemberaubend. Erste Proben lassen erwarten, daß die ungewöhnlich ausgeprägte Aromatik der Trauben sich im Wein wiederfindet und wir hoffen auf einen spannenden Jahrgang.
Der Jahrgang 2024 begann, ähnlich wie die Vorjahre, mit einem milden Winter. Nachdem schon die 2. Hälfte 2023 naß gewesen war, gab es reichliche Niederschläge im Januar und Februar, die die Bodenreserven gut auffüllten. Dabei war es warm und die Vegetation begann früh, möglicherweise war es der früheste Vegetationsbeginn bisher.
Ab April änderte sich die Wetterlage drastisch. Es wurde kühl und unbeständig und am 23. April verursachte ein später Frost bei -2°C und Nebel enorme Schäden. Kein Weinberg blieb verschont, selbst die braune Kupp, die normalerweise durch ihre Lage am Fluß vor Frost geschützt ist, war stark erfroren.
Warmes und feuchtes Wetter im Mai, Juni und Juli begünstigte Peronospora und der Infektionsdruck blieb bis weit in den August hinein sehr hoch. Wir haben von Anfang an systemisch gespritzt und trotzdem waren es am Ende 11 Behandlungen, oft an Wochenenden und mehrfach sonntags. Es wurde gesagt, daß frostgeschädigte Anlagen besonders empfindlich seien und dieses Jahr könnte ein Beleg für diese These sein: Der einzige Jahrgang in dem wir annähernd so oft gespritzt haben war 1997, auch in dem Jahr sind die Weinberge im April schlimm erfroren.
Der September war eher kühl und zeitweise verregnet und trotz der kleinen Menge nahm der Zuckergehalt nur langsam zu. Schien Anfang des Monats ein Erntebeginn im September möglich, mussten wir im Verlauf die Ernte hinauszögern und planten schließlich mit dem 7. Oktober. Die ersten Oktobertage waren schön, morgens Nebel aber trocken. In der Woche vom 6. Zog der ehemaliger Hurricane Milton durch und nachdem da die Mostgewichte immer noch nicht befriedigend und die Säuren hoch waren, haben wir den Lesebeginn auf den 14. verschoben, obwohl unsere ausländischen Helfer schon angereist waren. Es hat dann 2 Tage lang sehr heftig geregnet, aber das Wochenende war trocken.
Am ersten Lesetag haben wir 2 ½ ha geerntet und die Qualität war immer noch nicht zufriedenstellend. Der Wetterbericht war gut und wir beschlossen, noch eine Woche zu warten. Das Wetter war allerdings nicht annähernd so gut, wie versprochen und inzwischen breitete sich Botrytis aus so, daß das Warten zu einer enormen Nervenprobe wurde.
Das trockene Wetter kam schließlich doch und als wir am 21. Oktober ernsthaft loslegten, auch die Belohnung für die Geduld. Botrytis wurde zur Edelfäule und die Mostgewichte stiegen schnell an. Bei einer normalen Ernte wäre es sicher möglich gewesen, große Trockenbeerenauslesen zu ernten, aber wegen der kleinen Menge musste der Fokus en anderer sein. Wir haben Auslesen und Goldkapsel Auslese in brauchbaren Mengen eingebracht, alles andere, vom „Scharzhof“ über Kabinett und Spätlese ist aber nur in homöopathischen Dosen vorhanden. Insgesamt haben wir 7 ½ Fuder oder etwa 450 l/ha geerntet.
Die Säurewerte blieben bis zum Ende hoch, die Konzentration ist beträchtlich und aufgrund des nassen Sommers und der kleinen Menge sollten auch die Extraktwerte sehr gut sein. Wir versprechen uns einen mindestens sehr guten, vielleicht sogar großen Jahrgang.
Die Saison begann gut. Der Austrieb kam früh, wir blieben von Frühjahrsfrösten verschont und Mai und Juni waren heiß und trocken. Die Reben blühten zwei bis drei Wochen früher als normal und alles sah nach einem weiteren großen Jahrgang aus.
Allerdings brachte der Juli eine Rekordkälte und war der nasseste seit 20 Jahren. Das Wachstum der Reben und die Entwicklung der Trauben kamen fast zum Stillstand, nur die Krankheiten gediehen. Der August war schön, aber nicht heiß genug, um die Entwicklung der Infektionen zu stoppen, weshalb wir bis zum 20. August spritzen mussten. Der September war warm und nass und als die Trauben zu reifen begannen, trat fast unmittelbar Botrytis auf.
Im Oktober rechneten wir mit einer reichlichen Ernte von durchschnittlicher Qualität. Wir begannen mit der Lese am 16. Oktober. Schnell wurden die weniger guten Lagen gelesen, die für unseren „Scharzhof“-Qualitätswein bestimmt waren. Hier waren die Erträge mit durchschnittlich 55 hl/ha noch recht gut. Als wir am 23. mit der Lese von Wiltinger braune Kupp und Scharzhofberg begannen, hatte sich das Reifeniveau erhöht, aber die Menge hatte sich dramatisch verringert. Etwa die Hälfte war Kabinett, ein Drittel Spätlese und der Rest Auslese. Aber wir ernteten in der braunen Kupp nur 29 hl/ha und im Scharzhofberg sogar nur 22 hl/ha.
Kaum hofften wir wieder auf einen guten Jahrgang schlug das Wetter wieder um und es wurde kälter und regnerisch.
Besonders der September war erheblich zu kalt. Es kam zu Botrytis Infektionen, die sich aber wegen der Kälte kaum ausbreiteten. Im Oktober wurde es wieder sehr warm und die Botrytis konnte sich schnell entwickeln. Etwa ab dem 10. Oktober kam zudem ein kräftiger Ostwind auf, der die faulen Trauben schnell eintrocknen ließ. Wir waren bis dahin von einer späten Lese ausgegangen aber angesichts einer Edelfäule wie aus dem Bilderbuch beschlossen wir nicht länger zu warten und begannen am 14. Oktober mit der Auslese der edelfaulen Trauben.
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